Was mich bewegt
In meiner pädagogischen Arbeit mit Kindern konnte ich die pädagogische Wirkung im Zusammenspiel von „Musik, Sprache und Bewegung“ erleben. Diese Erfahrungen berühren, motivieren und inspirieren mich.
Für mich ist das Musikalisieren nicht das unmittelbare Ziel meiner pädagogischen Arbeit. Vielmehr gilt es „Musik, Sprache und Bewegung“ als pädagogisches Mittel
(wieder) zu entdecken, um die Kinder spielerisch ganzheitlich zu fördern. Ich sehe darin eine große Chance die Vision „Gleiche Bildungschancen für alle Kinder“ Wirklichkeit werden zu lassen.
Das Spiel mit Musik, Sprache und Bewegung als ganzheitliches Lernprinzip
Die Musik (Lieder, Musikstücke) bzw. die Sprache (z.B. Sprechverse, Gedichte) haben einen großen stimulierenden Faktor. Lerninhalte die in Musik/Sprache verpackt sind, können eine hohe motivierende Wirkung entfalten. Da das Gehirn emotional aufgeladene Information besser speichern kann, kommt einem emotional positivem Lernumfeld eine wichtige Bedeutung zu.
Stimulierende Faktoren sprechen die Seele an.
Gleichzeitig besteht die Musik bzw. Sprache aus vielfältigen Ordnungen und Strukturen. Dies betrifft z.B. das Metrum, den Takt, die Melodie, die Harmonie, die Sprache oder den Aufbau eines Musikstückes.
Da das menschliche Gehirn Strukturen liebt, lassen sich geordnete Inhalte oder in Ordnungen verpackte Inhalte leichter merken und „wieder holen“
Die Ordnung spricht den Geist an
Die Bewegung dient dem Erleben von Inhalten, somit wird intrinsisches Lernen durch vielfältige sinnliche Erfahrungen ermöglicht. Gleichzeitig dient die Bewegung auch der Konzentrationsförderung. Die äußere Bewegung führt zu einem inneren bewegt sein. Gerade unruhige und unkonzentrierte Kinder wollen bewegt sein. Die Bewegung spricht den Körper an.
Das Spiel mit Musik, Sprache und Bewegung spricht gleichermaßen Körper, Geist und Seele an. Schon Johann Heinrich Pestalozzi forderte ein ganzheitliches Lernen durch Kopf, Herz und Hand. Das Ganzheitliche Lernen umfasst die Bereiche: emotional – sozial – motorisch – kognitiv – Sprache – Sinne – Kreativität
Wir erziehen „mit Musik“ und nicht „zur Musik“
Im Rahmen des Lernprinzips „Erziehung und Bildung durch Musik, Sprache und Bewegung“ geht es nicht um das „Musikalisieren“ von Kindern. Vielmehr ist das Spiel mit Musik, Sprache und Bewegung als pädagogisches Mittel zur ganzheitlichen Förderung zu verstehen. Daher gilt es, möglichst viele Erzieher*innen zu ermutigen musikalisch tätig zu werden. Es geht um pädagogische Chancen und nicht um künstlerische Perfektion. Die Musikalität ist seit Urzeiten bei uns Menschen angelegt. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass es keine unmusikalischen Menschen geben kann.
Im weiterentwickelten Orientierungsplan geht der Bereich Elementare Musikpädagogik / Rhythmik also weit über die ausgeführten Ziele und Inhalte im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Ästhetische Bildung“ hinaus.
Hilfreiche Faktoren bei der Umsetzung in der Kindertagesstätte
Damit das Lernprinzip mit Musik/Sprache und Bewegung, hinsichtlich des WeOp, seine ganze Wirkkraft entfalten kann, gibt es einige Faktoren, die bei der Umsetzung hilfreich sein können.
Prinzip der Wiederholung: „Die Mutter des Lernens ist die Wiederholung.“
Wiederholungen sind wichtig um Erlebtes ins Langzeitgedächtnis zu übertragen, neuronale Verbindungen zu stärken und Wissen nachhaltig zu festigen. Dies ist ein wichtiges Fundament für weitere intrinsische Lernprozesse und Neugierde.
Prinzip der Anschaulichkeit:
Durch das Visualisieren von Lerninhalten, können auch Kinder partizipieren, die der Sprache noch nicht mächtig sind.
Anschauungsmaterialien aus einem strukturierten Bildungsangebot werden zum Spielmaterial im Freispiel. So können Kinder das Erlebte frei und nach einigen Interessen weiterentwickeln und vertiefen.
Prinzip der Aktivität
Die Bedeutung der Bewegung wurde im oberen Teil des Beitrags bereits beleuchtet
Bildung braucht Bindung
Essentiell für die Entwicklungs- und Lernprozesse der Kinder ist die wertschätzende Begleitung und gelebte Beziehung zwischen Kind und Bezugserzieher*in.
Im WeOp finden wir im Kapitel „Bildungs- und Entwicklungsbegleitung“ Ausführungen zur Verknüpfung der Bildungsprozesse des Kindes mit der Erziehungsleistung der erwachsenen Person.
Strukturen bieten Sicherheit
Klare (geschmeidige) Tagesstrukturen bieten den Kindern (und Erzieher*innen)
Sicherheit. Gerade für inaktive oder unkonzentrierte Kinder bieten Tagesstrukturen eine wichtige Hilfe, um Lernprozesse anzuregen und nachhaltiges Bildungsprozesse zu ermöglichen.
Vom Impuls zum Projekt
Im Sinne der Wiederholung – Vertiefung und Weiterentwicklung eines Themas ist sinnvoll aus einem Impuls (Lied, Gedicht, Bilderbuch, Material, Instrumente) ein länger angelegtes Projekt (mit offenem Weg und Ausgang) erwachsen zu lassen. Dabei ist die Resonanz der Kinder, ihre Interessen und ihre Kompetenzen „Weg weisend“.
Qualität sichern und weiterentwickeln
Pädagogisches Wirken in der Kindertagesstätte erfordert von den Fachkräften
ein hohes Maß an Flexibilität, Einfühlungsvermögen, Reflexion und Mut für Veränderungen. Aufkommende Störgefühle sollten für ernst genommen werden
und können einen Ausgangspunkt für Veränderungen darstellen. Im Sinne des im WeOP im Kapitel „Qualität sichern und weiterentwickeln“ aufgeführten PDCA-Kreislauf gilt es regelmäßig zu reflektieren um ggfs Veränderungsprozesse anzuregen.
Alltagsintegriertes Lernen durch „Musik, Sprache und Bewegung“
Der Tageslauf in der Kindertagesstätte ist durch unterschiedliche Spielphasen gekennzeichnet, Jede Spielphase steht für sich und ist nicht ersetzbar.
In strukturierten Bildungsangeboten erleben die Kinder aktiv 360° Weltwissen, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft. Dabei bietet das Lernprinzip „Erziehung und Bildung durch Musik, Sprache und Bewegung“ große Chancen im Sinne des Grundsatzes: „Erleben – Erkennen – Benennen“
Der Morgenkreis dient durch Begrüßungsverse oder Lieder der Wertschätzung jedes Kindes. Im gemeinsamen und freudvollen Tun mit anderen Kindern erlebt sich das Kind als Teil der Gemeinschaft. Durch die vielfältigen Lieder und Sprechverse wird Sprache spielerisch erlebt und im Gehirn abgespeichert. Durch die Ordnung und Struktur können sich die Kinder diese Sprachmodelle selbst „wieder holen“. . Sprache wird zum Spielmaterial. Bei Bewegungsliedern oder Tänzen wird die Motorik und Ausdauer gefördert. Durch „Wert volle“ Lieder erleben die Kinder Bezug zur sozialen und ökologischen Umwelt, Vertrauen und Zuversicht.
Im Freispiel stehen den Kindern die Anschauungsmaterialien aus den strukturierten Bildungsangeboten zur Verfügung. Diese können so frei und individuell weitergeführt und vertieft werden. Nach dem Grundsatz „Ich erkenne nur das, was ich kenne“ kann das strukturierte Bildungsangebot zum Impuls für das freie Spiel der Kinder werden.
Übergänge und Rituale
Übergänge die mit Musik, Sprache und Bewegung gestaltet werden tragen häufig zu einer entspannten Atmosphäre in der Kindertagesstätte bei. Dies trifft auch auf die musikalische Ausgestaltung von Ritualen zu.
Gartenzeit
Auch die Gartenzeit steht wie die anderen Tagesspielzeiten für sich und ist „unersetzbar“ Nirgends können die Kinder so ausgelassen und „natürlich“ spielen.
Ausgelassenheit führt zur „Gelassenheit“.
Die Gartenzeit wirkt wie ein Neustart für das Gehirn
Musikalisch bewegt durch den Orientierungsplan
Das Lernprinzip Erziehung und Bildung und Musik, Sprache und Bewegung ermöglicht weit gefächerte praktische Umsetzungsmöglichkeiten wie
- Das bewegte Singen: im Morgenkreis als Ritual, als pädagogisches Mittel bei strukturierten Bildungsangeboten oder im Alltag der Kita.
- Das Spiel mit Orff-Instrumenten: zur Liedgestaltung, zur Verklanglichung von Geschichten, zum naturwissenschaftlichen Erleben oder gemeinsamen Spiel
- Das Spiel mit Rhythmik-Materialien: als Medium zum „Er-Fassen und Be-Greifen, als Mittel zum gemeinsamen Gestalten, als Ausgangspunkt für naturwissenschaftlichem Erleben oder das konzentrierte Spiel
- Bewegung und Tanz: als Ausdrucksmittel, zur Förderung der Motorik, Vertiefung von Geschichten, Bilderbüchern und Fingerspielen oder als Ausgangspunkt für das Erleben von Ordnung und Struktur.
- Die Gestaltung von (klassischer) Musik: als Ausgangspunkt für Bewegung und Tanz, als Ausgangspunkt für das Erleben von Weltwissen, als Stimulans für vielfältiges Gestalten oder das Erleben von Tiefe.
- Die musikalische Gestaltung von Geschichten und Bilderbüchern:
als Ausgangspunkt für Sprachverständnis. Lesefreude oder theaterpädagogisches Handeln.
Dabei werden spielerisch die Ziele der Bildungs- und Entwicklungsfelder des
WeOP erreicht:
- im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Körper und Lebensweise“: z.B. Förderung der Koordination, Ausdauer, Feinmotorik, Grobmotorik, Graphomotorik, Entwicklung eines positiven Körper- und Selbstkonzepts oder Erweiterung des eigenen Handlungs- und Erfahrungsraums.
- Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Wahrnehmen und Denken“: z.B.
vielfältige Wahrnehmungserfahrungen, Förderung der Konzentration und Aufmerksamkeit, Erleben von Weltwissen und Naturwissenschaft oder der spielerische Zugang zu allen Formen der Mathematik. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sprache und Kommunikation“: z.B.
Förderung der Sprechfreude und des Sprachverständnis, Förderung der Kommunikationsfreude, Entwicklung der verbalen und nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten oder das Erleben von Lese- und Schriftkultur. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Soziale Entwicklung“: z.B.
Wahrgenommen und Verstanden zu werden, Kooperation mit anderen, Erleben von Gemeinschaft, Empathie mit anderen oder die Entwicklung von Konfliktlösungsmöglichkeiten und das Erleben von Werten. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Emotion und Motivation“ z.B.
Entwicklung einer emotionalen Sicherheit, Wertschätzung der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer Menschen, Motivation zum eigenen Handeln. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Kultur, Werte, Religion“ B.
Entwicklung einer Kultur- und Religionssensibilität, Stärkung eines positiven und zuversichtlichen Weltbildes, Verantwortung übernehmen für Gemeinschaft und Umwelt, gemeinsames Theologisieren und Philosophieren oder „Tiefe“ erleben. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Ästhetische Bildung“ z.B.
Erleben von vielfältigen gestalterischen Prozessen und Ausdrucksmöglichkeiten, Erleben von Freude an der Musik, Teilnahme am gemeinsamen Singen, Sprechen, Musizieren, Entwickeln von Kreativität, oder das Erleben von Rhythmik, Tanz, szenisches Spiel und Theater. - Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Lernen mit, durch und über Medien
B. Kennenlernen analoger und digitaler Medien oder aktives Gestalten, entdecken und erkunden mit Medien.
Diese Überzeugungen sind mein innerer Motor, um in Fortbildungsveranstaltungen pädagogische Fachkräfte zu ermutigen und zu inspirieren „Musik, Sprache und Bewegung“ mit einfachen Mitteln in die eigene Praxis zu integrieren.
So können die Kinder spielerisch eine humanistische Bildung erleben und gehen gestärkt und ermutigt auf ihrem weiteren (Bildungs-) Weg.